Hinweis: In diesem Unterbereich wird das Knowledge Management System an sich dargestellt. Nähere Informationen zum Einsatz dieses Systems in den Universitätslehrgängen IKP und IKB erhalten Sie in den Unterbereichen Forschungsprojekt > blended learning Ansatz und Forschungsprojekt > KMS – Inhalte und Aufbau
In den 1990er Jahren wurden von der US-amerikanischen (medien-) didaktischen
Forschung detaillierte Modelle für eine Konzeption webbasierter Lernumgebungen
nach konstruktivistischen Leitprinzipien entwickelt, die darauf abzielten,
die/den einzelnen Lerner und die Lerngruppe aktiv sowie kreativ in den Prozess
der Wissenskonstruktion einzubinden [1].
Trotz ihrer breiten Akzeptanz innerhalb des Fachbereichs wurden diese Ansätze
niemals in ihrer vollen Bandbreite in die Tat umgesetzt. In der Schlussfolgerung
seiner Evaluation der wichtigsten derzeit am Markt vorhandenen Lernplattformen
schreibt der Hochschuldidaktiker Rolf Schulmeister, diese wären aus
didaktischer Sicht ein historischer Rückschritt, da sie durchweg nach
demselben Schema angelegt seien und dazu zwingen würden, relativ uniforme
didaktische Arrangements einzuhalten [2].
Die Gründe, warum bei der Entwicklung von Lernumgebungen bisher konstruktivistische Leitprinzipien so wenig beachtet wurden, sind vielfältig. Eines der wichtigsten besteht darin, dass die institutionelle Bildung grundsätzlich kein Feld darstellt, "auf dem 'Innovation' ein bekannter Begriff ist"[3]. Zumeist ist hier Wissensvermittlung noch immer auf das Schulen und sofortiges Abprüfen von strikt vorgegebenen "objektiven" Wahrheiten ausgerichtet und zielt nicht auf die Förderung von Kompetenzen zum explorativen, selbstregulierten, multiperspektivischen Lernen und zur Neustrukturierung oder gar eigenständigen Generierung von Wissen ab. Deswegen sind die wenigen Beispiele für realisierte webbasierte offene Lernumgebungen v.a. in "außerpädagogischen" Lehr- und Lernarrangements zu finden, wie sie z.B. das in der Praxis äußerst erfolgreiche wikipedia-Projekt darstellt (siehe www.wikipedia.org).
Eine bedeutende Chance konstruktivistische Lernumgebungen im institutionellen Bildungssystem umzusetzen, besteht in ihrem verstärkten Einsatz in der künstlerischen Pädagogik. Hier wird eine Öffnung von Lernprozessen in Richtung selbstständiger Exploration und kreativer Konstruktion von Wissen nicht nur akzeptiert, sondern zunehmend auch ausdrücklich gefordert [4]. Zusätzlich resultiert aus der aktuellen Tendenz zu einer engen Kooperation künstlerisch-pädagogischer Fachbereiche unter Einbeziehung medienpädagogischer Perspektiven [5] und der damit einhergehenden Gefahr einer "Allrounder-Ausbildung", bei der "alles und nichts" gelernt wird, die Notwendigkeit, Lernarrangements so zu gestalten, dass jeder/m Lerner/in die Chance auf die Erschließung und Konstruktion von für sie/ihn persönlich relevantem Lernstoff geboten wird.
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[1] vgl. z.B: vgl. z.B: Reigeluth, Charles
M. (Hg.) (1999): Instructional-Design Theories and Models. Volume II. A
New Paradigm of Instructional Theory. Mahwah; New Jersey; London: Lawrence
Erlbaum Associates
[2] Schulmeister, Rolf (2005): Lernplattformen für
das virtuelle Lernen. Evaluation und Didaktik. München; Wien: Oldenburg
(S.151)
[3] Reimann, Gabi (2005): Innovation ohne Forschung? Ein
Plädoyer für den Design-Based Research-Ansatz in der Lehr-Lernforschung.
In: Unterrichtswissenschaft 33 / 1, S.52-69 (hier S. S.53)
[4] vgl. z.B. Reich, Kersten (2003): Muss ein Kunstdidaktiker
Künstler sein? Konstruktivistische Überlegungen zur Kunstdidaktik.
In: Buschkühle, Carl-Peter (Hg.): Perspektiven Künstlerischer
Bildung. Texte zum Symposium Künstlerische Bildung und die Schule der
Zukunft. Köln: Salon-Verlag, S.73-92
[5] vgl. z.B. Brandstätter, Ursula (2004): Bildende
Kunst und Musik im Dialog. Ästhetische, zeichentheoretische und wahrnehmungspsychologische
Überlegungen zu einem kunstspartenübergreifenden Konzept ästhetischer
Bildung. Augsburg: Wißner-Verlag. // Pasuchin, Iwan (2005): Künstlerische
Medienbildung. Ansätze zu einer Didaktik der Künste und ihrer
Medien. Frankfurt a.M.(u.a): Peter Lang
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Auf dem Hintergrund der oben dargestellten Entwicklungen wurde im Forschungsprojekt „Intermediale künstlerische Bildung“ in einer Kooperation zwischen der Universität Mozarteum Salzburg und der Forschungsgesellschaft Salzburg Research ein webbasiertes Knowledge Management System entwickelt, dass v.a. auf die Umsetzung folgender didaktischer Leitprinzipien abzielt:
| Leitprinzipien | Erklärung |
| Kontextualisierung | Unterstützung beim Erkennen und Verstehen von Querverbindungen zwischen verschiedenen Themen- und Wissensgebieten sowie beim Herstellen entsprechender Zusammenhänge und bei der Einordnung erworbener Kenntnisse in größere Zusammenhänge. |
| Exploration, Ko-Konstruktion | Herausforderung zu einer aktiven Wissenserschließung und Wissenskonstruktion. Nutzer/innen sollen (Lern-) Materialien nicht lediglich „konsumieren“, sondern für sie situativ und persönlich relevante Informationen entdecken, neue Querverbindungen zwischen ihnen herstellen sowie eigene Erkenntnisse publizieren und mit bestehenden Materialien vernetzen. |
| kritisches und kooperatives Lernen | Erleben von Wissenserschließung als einen Vorgang, bei dem es nicht darum geht, „objektive“ Wahrheiten einzustudieren, sondern die Meinungen anderer (auch von Expert/innen) kritisch zu hinterfragen sowie eigene Standpunkte zu verschiedenen Problem- und Fragestellungen so zu formulieren, dass auch Kolleg/innen davon profitieren. |
Trotz der Bemühung um die Förderung komplexer Wissenskonstruktionsprozesse soll den Nutzer/innen eine klare Orientierung und Navigation geboten, unnötige Ablenkungen vermieden und ihnen das Eintragen neuer Materialien so einfach wie möglich gemacht werden (Stichworte: Vermeidung von „cognitive overload“ und „lost in hyperspace“; Usability).
| Bereich | Kurzdarstellung |
| Übersicht | In der Übersicht werden sämtliche Lehreinheiten (Lektionen) eines Studiengangs als Kästchen symbolisiert dargestellt. Sie sind jeweils einem Lehrbereich, einer Sparte und (wenn – wie im Falle des IKB-Studiengangs - notwendig) einem Semesterschwerpunkt zugeordnet. Hier erhält man bereits die Basisinformationen zu jeder Lehreinheit – ihren Titel, ihre Kurzbeschreibung, die wichtigsten in dieser Lehreinheit erwähnten Stichworte (Begriffe, Personen, Werke) und Hinweise auf inhaltlich verwandte Lehreinheiten sowie den Intensitätsgrad ihrer gegenseitigen Vernetzung. |
| Lehreinheiten | Innerhalb der einzelnen Lehrbereichen und Sparten zugeordneten Lehreinheiten werden in der Mitte der Darstellungsoberfläche die Basistexte (= Lehrtexte) angezeigt. Zu den hervorgehobenen Stichworten können in der rechten Darstellungsspalte vertiefende Informationsmaterialien abgerufen werden. In der linken Darstellungsspalte erhält man neben Navigations- und Bearbeitungsmöglichkeiten sowie dem Zugriff auf die Darstellung verwandter Lehreinheiten s.g. „kollaborative Lernobjekte“ – z.B. Frage-, Aufgabenstellungen und Beiträge, die auch von Studierenden eingetragen, bearbeitet und kommentiert werden können/sollen. |
| Recherche | Im Recherchebereich haben Studierende die Möglichkeit, selbstständig nach Informationsmaterialien zu suchen, die in der Plattform zu Stichworten eingetragen sind. Dabei erhalten sie einerseits ausführlichere Informationen als in den Lehreinheiten, andererseits können sie auch auf zusammenhängende Stichworte zugreifen, die einzelnen Kategorien (Begriffe, Personen, Werke) zugeordnet sind und bei denen die Art der Verwandtschaft (semantische Beziehung) zum Ausgangsstichwort bezeichnet ist. |
| Autorenprozesse | Fast alle Einträge neuer Lehr- und Informationseinheiten in die Plattform können aus den Lehreinheiten oder dem Recherchebereich heraus durchgeführt werden. Studierende können alle an Stichworte gebundenen Informationseinheiten sofort bearbeiten. Berechtigte Tutoren auch Lehrtexte. Dafür stehen den Nutzern höchst Leistungsfähige Autorenwerkzeuge und WYSIWYG-Editoren zur Verfügung, die das Eintragen und Bearbeiten von Informationen ohne Programmierungskenntnisse ermöglichen. |
Hier können Sie die Darstellung des im IKB-Projekt entwickelten Knowledge
Management Systems als PDF-Dokument
abrufen.